Sicher in den Urlaub: Fahrzeugcheck für Auto, Wohnwagen und Wohnmobil

Ob Familienauto, Wohnwagengespann oder Wohnmobil: Mit Passagieren, Gepäck, Fahrrädern und Campingausrüstung steigen Gewicht und Belastung deutlich. Vor der Abfahrt sollten deshalb nicht nur Reifen und Flüssigkeitsstände, sondern auch Beladung, Achslasten und Ladungssicherung kontrolliert werden.
Wuppertal. (reg) – Die Koffer sind verstaut, die Kühlbox ist gefüllt und das Urlaubsziel steht fest. Bevor die Fahrt beginnt, lohnt sich jedoch ein gründlicher Blick auf das Fahrzeug. Denn ein bis an die Beladungsgrenze gepacktes Auto verhält sich deutlich anders als im normalen Alltagseinsatz.
Nach Angaben von ATU reagiert ein schwer beladenes Fahrzeug träger, benötigt mehr Platz zum Bremsen und kann sich in Kurven weniger stabil verhalten. Besonders kritisch wird es, wenn zusätzlich eine Dachbox, ein Fahrradträger oder ein Wohnwagen mitgeführt wird.
Reifendruck an die Beladung anpassen

Einer der wichtigsten Kontrollpunkte ist der Reifendruck. Die für ein voll beladenes Fahrzeug vorgesehenen Werte finden sich gewöhnlich in der Bedienungsanleitung, im Tankdeckel oder an der Innenseite der Fahrertür. Gemessen werden sollte möglichst am kalten Reifen.
Zu wenig Luft erhöht den Rollwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch. Gleichzeitig verschlechtert sich das Fahrverhalten, die Reifen erwärmen sich stärker und können übermäßig verschleißen. Bei hoher Belastung steigt zudem das Risiko eines Reifenschadens.
Neben dem Druck sollten auch Profiltiefe, Beschädigungen und das Alter der Reifen kontrolliert werden. Das gilt besonders für Wohnwagen und Wohnmobile, die häufig längere Zeit unbewegt stehen. Risse, poröse Flanken oder Verformungen sind Warnzeichen, die vor einer langen Reise fachlich überprüft werden sollten.
Schweres Gepäck gehört nach unten
Beim Packen gilt für Auto, Wohnwagen und Wohnmobil dieselbe Grundregel: Schwere Gegenstände gehören möglichst weit nach unten und müssen gegen Verrutschen gesichert werden.
Im Auto sollten Koffer und Getränkekisten unmittelbar an der Rücksitzlehne stehen. Wird über die Höhe der Lehne hinaus geladen, empfiehlt sich ein stabiles Trennnetz oder Trenngitter. Lose Gegenstände können bereits bei einer starken Bremsung zu gefährlichen Geschossen werden.
Auch das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs darf nicht aus dem Blick geraten. Neben dem Gepäck zählen dazu die Insassen, Zubehör, Dachboxen, Fahrradträger und bei einem Gespann auch die auf das Zugfahrzeug wirkende Stützlast. Der ADAC empfiehlt, bei hoher Beladung nicht nur das Gesamtgewicht, sondern möglichst auch die Achslasten zu überprüfen.
Beleuchtung und Sicht kontrollieren

Durch viel Gewicht im Kofferraum kann sich das Heck des Autos absenken. Bei Fahrzeugen ohne automatische Leuchtweitenregulierung müssen die Scheinwerfer deshalb über den entsprechenden Regler angepasst werden. Anderenfalls leuchten sie zu hoch und können den Gegenverkehr blenden.
Vor der Abfahrt sollten außerdem Abblendlicht, Bremsleuchten, Blinker und Kennzeichenbeleuchtung geprüft werden. Bei einem Wohnwagen gehört auch die komplette Anhängerbeleuchtung zum Rundgang.
Gespannfahrer benötigen zudem eine ausreichende Sicht nach hinten. Ist der Wohnwagen breiter als das Zugfahrzeug, sind zusätzliche Außenspiegel erforderlich. Diese müssen fest montiert und so eingestellt sein, dass sich der Verkehr seitlich neben dem Wohnwagen beobachten lässt.
Dachboxen und Fahrradträger verändern das Fahrverhalten
Dachboxen und Fahrradträger schaffen zusätzlichen Stauraum, erhöhen aber Gewicht und Luftwiderstand. Dabei sind sowohl die zulässige Dachlast als auch die Tragfähigkeit des verwendeten Trägers zu beachten.
ATU empfiehlt bei Dachaufbauten eine Geschwindigkeit von höchstens 130 km/h und verweist zusätzlich auf die jeweiligen Herstellervorgaben. Nach den ersten rund 50 Kilometern sollten Befestigungen und Verschlüsse noch einmal kontrolliert werden.
Bei Wohnmobilen wirken Fahrräder auf einem Heckträger besonders ungünstig: Durch die weit hinter der Hinterachse angebrachte Last wird die Hinterachse zusätzlich belastet, während die Vorderachse entlastet werden kann. Entscheidend ist daher nicht allein das Gesamtgewicht, sondern auch dessen Verteilung.
Wohnwagen richtig beladen

Bei einem Wohnwagengespann kommt es besonders auf die Verteilung des Gepäcks an. Schwere Gegenstände sollten tief und möglichst nahe an der Achse verstaut werden. Große Lasten weit im Heck können das Gespann instabil machen und die Neigung zum Schlingern erhöhen.
Vor der Fahrt sollten Wohnwagenbesitzer mindestens folgende Punkte kontrollieren:
- zulässiges Gesamtgewicht des Wohnwagens
- erlaubte Anhängelast des Zugfahrzeugs
- Stützlast von Auto, Anhängerkupplung und Wohnwagen
- Reifendruck und Reifenzustand
- Funktion von Auflaufbremse und Beleuchtung
- korrekter Sitz der Kupplung
- Befestigung des Abreißseils
- geschlossene Fenster, Dachhauben und Außenklappen
Die zulässige Stützlast sollte möglichst gut ausgenutzt, aber keinesfalls überschritten werden. Maßgeblich ist immer der niedrigste zulässige Wert der beteiligten Bauteile und Fahrzeuge. Eine ausreichend hohe Stützlast trägt zur Fahrstabilität bei. Der tatsächliche Wert lässt sich mit einer Stützlastwaage kontrollieren.
Mehr Abstand und Ruhe am Steuer

Ein Gespann beschleunigt langsamer und benötigt mehr Platz beim Bremsen. Auch der Überholweg wird deutlich länger. Auf Autobahnen können Seitenwind, Spurrillen sowie der Luftdruck vorbeifahrender Lastwagen Unruhe in das Gespann bringen.
Beginnt der Wohnwagen zu pendeln, sollte der Fahrer Ruhe bewahren, das Lenkrad festhalten und die Geschwindigkeit kontrolliert verringern. Hektische Lenkbewegungen oder zusätzliches Beschleunigen können die Situation verschärfen.
Auch Kurven sollten mit angepasster Geschwindigkeit gefahren werden. Der Wohnwagen läuft weiter innen als das Zugfahrzeug, während das Heck seitlich ausschwenken kann. Eine vorausschauende Fahrweise ist daher besonders auf engen Straßen, an Tankstellen und auf Campingplätzen wichtig.
Beim Wohnmobil sind die Reserven häufig knapp
Wohnmobile bieten viel Stauraum, doch dieser darf nicht mit unbegrenzter Zuladung verwechselt werden. Gasflaschen, Campingmöbel, Markise, Fahrräder, Lebensmittel, Wasservorräte und persönliche Ausrüstung bringen schnell mehrere Hundert Kilogramm zusammen.

Der ADAC weist darauf hin, dass sich die Zuladungsreserven je nach Fahrzeugklasse und Modell deutlich unterscheiden. Selbst wenn das zulässige Gesamtgewicht noch nicht erreicht ist, kann eine einzelne Achse bereits überlastet sein.
Wer Gewicht sparen muss, kann Vorräte erst am Urlaubsort einkaufen und nur die benötigte Menge Wasser mitnehmen. Dabei sind mögliche Vorgaben des Fahrzeugherstellers für die zulässige Tankfüllung während der Fahrt zu beachten.
Im Innenraum müssen Geschirr, Kaffeemaschine, Fernseher und andere Gegenstände sicher verstaut sein. Schranktüren, Kühlschrank, Fenster, Dachhauben und Außenklappen sollten vor jeder Abfahrt kontrolliert werden. Auch die Markise muss vollständig eingefahren und verriegelt sein.
Ein letzter Rundgang vor dem Start
Unmittelbar vor der Abfahrt empfiehlt sich ein kompletter Rundgang um das Fahrzeug oder Gespann. Dabei lassen sich offene Klappen, vergessene Unterlegkeile, nicht eingefahrene Stützen oder lose Kabel schnell entdecken.

Nach den ersten Kilometern sollte bei einer sicheren Gelegenheit erneut kontrolliert werden, ob Träger, Dachbox und Ladung weiterhin fest sitzen. Bei auffälligen Geräuschen, Vibrationen oder verändertem Fahrverhalten ist es besser, frühzeitig anzuhalten und nach der Ursache zu suchen.
Ein gründlicher Urlaubscheck kostet nur wenig Zeit. Er kann aber verhindern, dass aus der ersehnten Ferienfahrt eine Panne oder eine gefährliche Situation wird.






