Führerschein wird für viele junge Menschen zur teuren Hürde

Nicht die Wartezeit auf den Prüfungstermin, sondern der Preis sorgt für Ärger. Recherchen von CarPoint24.de zeigen, wie teuer der Führerschein für junge Menschen inzwischen geworden ist.
Wuppertal. (reg) – Nicht die Prüfungstermine scheinen derzeit das größte Problem zu sein, sondern die Kosten. Recherchen von CarPoint24 zeigen: Für den PKW-Führerschein der Klasse B kommen bei Fahranfängern schnell Summen zwischen 3.500 und 5.500 Euro zusammen. Für viele ist das nur noch mit Hilfe der Familie zu stemmen.
Dabei war die Frage nach knappen Prüfungsterminen lange ein Reizthema. Nach Angaben von TÜV Rheinland hat sich die Lage in Nordrhein-Westfalen inzwischen jedoch deutlich verbessert. Praktische Prüfungen würden landesweit stabil im Zwei-Wochen-Rhythmus angeboten. In Hochphasen, etwa vor Ferien oder rund um Feiertage, könne sich die Wartezeit kurzzeitig auf zweieinhalb bis drei Wochen verlängern. Bei Theorieprüfungen arbeiten viele Prüfstellen inzwischen sogar ohne festen Termin.
Auch Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Nordrhein, sieht die Situation bei den Prüfungsterminen heute deutlich entspannter als noch vor einigen Jahren. Aus seiner Sicht haben sich Prüfkapazitäten und Disposition verbessert. Wer die Ausbildung kompakt und ohne lange Unterbrechungen durchziehe, sei klar im Vorteil.
Bei den Kosten widerspricht Bartels allerdings dem einfachen Bild vom grundsätzlich unbezahlbaren Führerschein. Er hält die politische Debatte über Durchschnittskosten von rund 3.400 Euro für teilweise überhitzt. Hohe Kosten entstünden aus seiner Sicht nicht nur durch allgemeine Preissteigerungen, sondern oft auch durch lange Pausen, unregelmäßige Teilnahme am Unterricht oder nicht bestandene Prüfungen. Gleichzeitig sei die Ausbildung anspruchsvoller geworden. Moderne Assistenzsysteme, neue Verkehrssituationen und zusätzliche Anforderungen im Straßenverkehr spielten heute eine größere Rolle als früher.

Dass der Führerschein trotzdem für viele zur echten Belastung wird, zeigen Rückmeldungen von Fahranfängern. Eine 18-jährige Fahrschülerin gab ihre bisherigen Kosten mit rund 3.600 Euro an. Lange Wartezeiten habe sie nicht erlebt, die Finanzierung sei aber nur möglich gewesen, weil sie gespart habe und ihre Familie eingesprungen sei.
Ein 21-jähriger Fahrschüler nannte rund 3.500 Euro. Auch er berichtet nur von einer Wartezeit von etwa zwei Wochen bis zur Prüfung, empfindet den Führerschein aber bereits als teuer.
Deutlich höher fiel die Summe bei der 19-jährigen Wuppertalerin Selena L. aus. Nach ihren Angaben kostete sie der Führerschein rund 5.500 Euro. Nach nicht bestandenen Prüfungen und Wartezeiten von vier beziehungsweise fünf Wochen auf neue Termine seien zusätzliche Übungsfahrten nötig geworden. Allein hätte sie den Führerschein nach eigener Aussage nicht finanzieren können.
Unterm Strich spricht derzeit vieles dafür, dass sich die Lage bei den Prüfungsterminen in NRW entspannt hat. Die hohen Kosten bleiben dagegen für viele junge Menschen die eigentliche Hürde. Politische Reformen zur Entlastung sind zwar angekündigt, spürbare Auswirkungen werden nach bisherigem Stand aber frühestens ab dem 1. Januar 2027 erwartet






