Besucherrekord beim „Anlassen“ am Nürburgring

46.000 Biker kamen zum „Anlassen“ an den Nürburgring – neuer Besucherrekord. Vor Ort zeigte sich aber auch: Der enorme Andrang brachte Strecke und Verkehrsführung stellenweise an ihre Grenzen.
Nürburgring. (reg) – Strahlender Sonnenschein, tausende Motorräder und ein neuer Besucherrekord beim traditionellen Motorrad-Gottesdienst „Anlassen“ am Nürburgring haben am Sonntag, 26. April, insgesamt 46.000 Biker den Saisonauftakt gefeiert. Damit wurde die starke Resonanz der Vorjahre noch einmal übertroffen. Der Nürburgring wurde für einen Tag erneut zum Zentrum der europäischen Motorradszene.
Bereits seit den Morgenstunden füllten sich das Grand-Prix-Fahrerlager, die AMG Arena und weitere Bereiche der Strecke mit Motorrädern aus Deutschland und den Nachbarländern. Vor Ort war deutlich zu spüren: Es war voller als im Vorjahr. Der Andrang zeigte sich nicht nur auf den Parkflächen und im Fahrerlager, sondern später auch beim Korso auf der Strecke.
Viel Betrieb auf der Strecke

Der gemeinsame Korso über die Nordschleife bildete erneut den emotionalen Höhepunkt des Tages. Zehntausende Motorräder setzten sich in Bewegung und fuhren in ruhigem Tempo über die rund 20 Kilometer lange Strecke. Genau hier zeigte sich allerdings auch, wie groß der Andrang in diesem Jahr tatsächlich war: Stellenweise kam es auf der Strecke zu stockendem Verkehr. Teilweise hielten Teilnehmer an, um Fotos von ihren Maschinen zu machen, was den Verkehrsfluss zusätzlich verlangsamte.
Auch mehrere Zwischenfälle waren vor Ort zu beobachten. Nach Angaben der Polizei kam es im Zusammenhang mit der Veranstaltung zu insgesamt vier Verkehrsunfällen. Dabei wurden zwei Motorradfahrer leicht verletzt. Aus polizeilicher Sicht verlief die Veranstaltung dennoch, wie in den Vorjahren, ohne nennenswerte Vorkommnisse. Das Besucheraufkommen sei im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen, die Besucher hätten sich weitestgehend umgänglich verhalten.
Polizei: Verkehrsbelastung weitgehend reduziert
Bei 46.000 Motorradfahrern blieben Verkehrsbeeinträchtigungen auf den Zu- und Abfahrtswegen nicht aus. Nach Angaben der Polizei konnten diese durch ein im Vorfeld mit dem Veranstalter abgestimmtes Konzept jedoch auf ein Minimum reduziert werden. Dazu gehörten zusätzliche Parkflächen für Motorräder sowie eine Einbahnstraßenregelung auf der L 93 nach dem Korso, um den Abreiseverkehr besser abfließen zu lassen.
Neben der Verkehrslenkung lag ein weiterer Schwerpunkt der Polizei auf Prävention. Informationsstände der Polizei Rheinland-Pfalz, gemeinsam mit der Verkehrswacht und der Rennleitung 110, wurden auf dem Veranstaltungsgelände angenommen.
Programm zwischen Sicherheit, Szene und Gemeinschaft

Auch abseits des Korsos bot „Anlassen“ ein umfangreiches Programm. Dazu gehörten Safety-Demonstrationen mit Partnern wie Polo Motorrad und der Motorradstaffel des Polizeipräsidiums Koblenz, die Trial-Show des AAC Bad Neuenahr sowie geführte Ausfahrten des Dortmunder Motorsport-Clubs auf der Grand-Prix-Strecke. Auch Leistungsprüfstand, Helmputzaktion, Polo Pit Bike Parcours, Trainingsangebote von Doc Scholl und ADAC sowie die ADAC Road Racing Academy für den Nachwuchs waren Teil des Programms.
Hinzu kamen Einblicke in die Arbeit des Nürburgring Medical Centers, Aussteller wie Öhlins sowie soziale Angebote wie das Blutspendemobil und die Stefan-Morsch-Stiftung. Damit blieb „Anlassen“ auch 2026 mehr als nur ein großes Motorradtreffen: Szene, Sicherheit, Austausch und soziales Engagement standen nebeneinander.
Nürburgring öffnete zusätzliche Flächen
Der Veranstalter reagierte auf den hohen Andrang mit weiteren Flächen. Nürburgring-Geschäftsführer Ingo Böder erklärte, man sei operativ sehr gut vorbereitet gewesen. Aufgrund des großen Besucheraufkommens seien zusätzliche Flächen und Parkplätze im Außenbereich geöffnet worden, um das Grand-Prix-Fahrerlager und die geöffneten Streckenbereiche zu entlasten.
„Der neue Besucherrekord zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert dieses Event für die Motorradszene hat“, so Böder. Die Mischung aus Leidenschaft, Gemeinschaft und gegenseitigem Respekt mache die Veranstaltung jedes Jahr aufs Neue besonders.
Fotografen entlang der Strecke

Auffällig war in diesem Jahr auch die hohe Präsenz von Fotografen entlang der Strecke. Mehrere Anbieter fotografierten die Teilnehmer während der Fahrt und bieten die Aufnahmen anschließend auf ihren Plattformen zum Kauf an. Für viele Motorradfahrer gehört inzwischen offenbar auch das eigene Fahrbild vom Nürburgring-Erlebnis zum Event dazu.
Einordnung
„Anlassen“ bleibt ein besonderer Termin im Motorradkalender. Der neue Besucherrekord zeigt, welche Anziehungskraft das Treffen weiterhin besitzt. Gleichzeitig machte die enorme Masse deutlich, dass Organisation, Rücksichtnahme und Verkehrslenkung bei einem solchen Event immer wichtiger werden.
Trotz stockender Abschnitte auf der Strecke und einzelner Unfälle überwog der Eindruck eines großen, weitgehend geordneten Motorradtreffens. Der Charakter der Veranstaltung blieb erhalten: kein Rennen, kein wildes Kräftemessen, sondern ein gemeinsamer Saisonauftakt mit Gottesdienst, Korso und viel Gemeinschaftsgefühl.






